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Verstörender Fund in der Antarktis: „Was in der Vergangenheit geschehen ist, kann wieder geschehen“

Thwaites, der „Gletscher des jüngsten Gerichts“, macht regelmäßig Schlagzeilen. Doch ist es sein Nachbar, der Forschenden derzeit Sorgen bereitet.

Blaue Eishügel am Baikalsee
© Baikal360 - stock.adobe.com

Die Antarktis – wer hat sie eigentlich entdeckt?

Im Jahr 1820 stieß eine russische Expedition erstmals auf Ausläufer der Antarktis. Gerade mal ein Jahr später entdeckten amerikanische Forscher ihr Festland.Doch waren sie tatsächlich die ersten Menschen, die den Kontinent erforschten? Tatsächlich scheint es, als sei sie schon lange vorher besucht worden.

Der Pine Island Gletscher in der Antarktis befindet sich in einem signifikanten und unaufhaltsamen Rückzugsprozess. Diese Erkenntnis, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nature Climate Change, steht im Einklang mit den Diskussionen der UN-Klimakonferenz COP28 in Dubai. Forschende der Universitäten Northumbria und Bangor nutzten eine fortschrittliche Methode, die numerische Modelle mit Satellitendaten kombiniert, um das vergangene Verhalten des Gletschers zu untersuchen.

Antarktis: Vergangenheit ermöglicht schaurige Prognose

Ihre Ergebnisse zeigen, dass der Gletscher zwischen den 1940er und 1970er Jahren aufgrund einer Ablösung von einem Meeresgrundrücken schnell zurückging. Dieser Rückzug setzte sich fort, bis es zu einer vorübergehenden Stabilisierung Ende der 1980er Jahre kam. Die Studie legt nahe, dass warme Meerestemperaturen das Schmelzen und den darauffolgenden Rückzug vom Rücken ausgelöst haben.

Trotz eines vorübergehenden Halts des Massenverlusts hat der Gletscher einen Punkt erreicht, an dem er seine ursprüngliche Masse nicht wiedererlangen kann, selbst unter kälteren Bedingungen. Das bestätigt, dass der Rückzug während dieser Zeit unumkehrbar ist und einen bedeutenden Wendepunkt markiert.

„Die Bedeutung für die Zukunft ist klar“, betonte Dr. Brad Reed von der Northumbria Universität. „Was in der Vergangenheit geschehen ist, kann wieder geschehen.“ Er erklärte außerdem, dass zukünftige Vorhersagen ein Potenzial für weiteren unumkehrbaren Massenverlust in dieser Region zeigen. „Wir sollten die mit dieser Art von Rückzug und Massenverlust verbundenen Folgen nicht riskieren.“

Mögliche Folgen für „Gletscher des jüngsten Gerichts“

Professor Mattias Green von der Bangor Universität konzentriert sich auf die kritischen Wechselwirkungen zwischen dem Ozean und den antarktischen Gletschern. Auch er merkte an, dass der Gletscherrückzug auch nach der Rückkehr zu kälteren Bedingungen anhielt. Das deutet auf eine besorgniserregende Zukunft für den Pine Island Gletscher und seinen Nachbarn Thwaites, dem „Gletscher des jüngsten Gerichts“, in einer sich erwärmenden Welt hin.

„Es unterstreicht auch, dass die Untersuchung des Verhaltens des antarktischen Eisschildes in der Vergangenheit uns Aufschluss darüber geben kann, wie es in der Zukunft reagieren wird, und es gibt uns Vertrauen in unsere Fähigkeit, diese Reaktionen vorherzusagen.“

Prof. Mattias Green

Hilmar Gudmundsson, Professor für Glaziologie und wissenschaftlicher Leiter einer Universitätsgruppe an der Northumbria Universität, warnte vor dem Potenzial für einen bedeutenden zukünftigen Eisverlust. Er führt die vorübergehende Stabilisierung des Gletscherrückzugs auf die Topographie des Meeresbodens unter dem Amundsenmeer zurück. Gudmundsson betonte die Wichtigkeit, diese Prozesse zu verstehen, um zukünftige Veränderungen des antarktischen Eisschilds vorherzusagen.

Quellen: „Recent irreversible retreat phase of Pine Island Glacier“ (Nature Climate Change, 2023); SciTechDaily

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