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Anthropologie: Seltsamer Ritualmord in ganz Europa – er wiederholte sich 2.000 Jahre lang

Ein französisches Forschungsteam hat eine besonders grausame Form der Menschenopfer entdeckt. Die Methode ist heute noch bei der italienischen Mafia bekannt.

Nahaufnahme eines menschlichen Skeletts während einer Ausgrabung.
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5 ärchäologische Funde, die noch heute Rätsel aufgeben

Einige Überbleibsel der Vergangenheit lassen auch nach tausenden von Jahren noch viele Fragen unbeantwortet.Wir zeigen dir 5 archäologische Funde, die auch heute noch eine Menge Rätsel aufgeben.

Neueste Erkenntnisse in der Anthropologie lassen selbst Expert*innen erschaudern. Knochenfunde in Frankreich haben bewiesen, dass in der Steinzeit in ganz Europa eine spezielle Form des Ritualmordes stattgefunden hat. Wozu die qualvollen Tötungen dienten und wie weit sie wirklich verbreitet waren, lässt sich bisher aber nur vermuten.

Anthropologie: Mafia-Mord bringt neue Erkenntnis

Bei den rituellen Opferungen wurden vor allem Frauen getötet, indem man sie fesselte und damit langsam erdrosselte oder ihnen durch schwere Gewichte die Luft abdrückte. Laut einer Studie, die erst kürzlich auf Science Advances erschienen ist, identifizierten die französischen Wissenschaftler*innen 20 Fälle aus einem Zeitraum von fast 2.000 Jahren, von Osteuropa bis Katalonien, bei denen Menschen auf diese Weise gestorben sind. Die Frauen aus dem Rhônetal sind also kein Einzelfall.

Auch in Deutschland starben in der Steinzeit wohl mehrere Menschen auf diese Weise. In mindestens drei Fällen, zwei in Bayern, einem in Sachsen-Anhalt, wurden Personen nachweislich in der Position begraben. Die Archäolog*innen gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer noch weitaus höher ist. Bereits 1984 wurden die Skelette der drei Frauen in Frankreich gefunden. Doch erst jetzt konnte rekonstruiert werden, wie die Opfer genau getötet wurden. Die Erkenntnis kam dem forensischen Anthropologe Eric Crubézy, als er in einer forensischen Fachzeitschrift einen Artikel über einen Mord der italienischen Mafia las.

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„Man zwingt die Leute, sich selbst zu strangulieren“

Dort wird dies Art der Tötung als „incaprettamento“ bezeichnet. „Es ist sehr grausam. Man zwingt die Leute, sich selbst zu strangulieren“, so Crubézy. Bei der Methode werden die Personen bäuchlings mit den Händen hinter dem Rücken fixiert, wobei die Knöchel mit einem Seil mit dem Hals verbunden werden. Durch die angewinkelte Position der Beine ist die Selbststrangulation unvermeidlich und tritt verhältnismäßig schnell ein.

Außergewöhnliche Tötungsarten von Menschen zu rituellen Zwecken sind in der Anthropologie kein neues Phänomen. Die Wissenschaftler vermuten aber, dass die Opferung mithilfe der Incaprettamento-Methode wohl einen besonderen Stellenwert gehabt haben muss. Zudem die Skelette in speziell auf die Sonnenwende ausgerichteten Gruben lagen. Außerdem halten die Archäolog*innen es für wahrscheinlich, dass die Frauen noch lebten, als man sie ins Gab warf.

Quelle: „A ritual murder shaped the Early and Middle Neolithic across Central and Southern Europe“ (Science Advances, 2024)

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