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Verhalten von Affen schockiert Forscher – noch nie zuvor so beobachtet

Die letzten gemeinsamen Vorfahren von Orang-Utans und Menschen lebten vor etwa 13 Millionen Jahren. Doch nun konnten Forscher*innen ein erstaunliches Verhalten der Affen beobachten, das nur allzu menschlich scheint.

Nahaufnahme auf einen Orang-Utan.
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Vom Affen zum Menschen: An diesem Punkt war die Wandlung vollendet

Der Zeitpunkt, wann der Affe sich zum Menschen entwickelte, ist schwer zu bestimmen.Vor rund 300.000 Jahren soll der Homo sapiens geschaffen worden sein.Aber erst vor rund 65.000 Jahren schuf der Mensch Werkzeuge, Artefakte und Kunst.

Forscher*innen auf der indonesischen Insel Sumatra ist ein einzigartiger Erfolg gelungen. Sie konnten erstmals einen wildlebenden Affen dokumentieren, der eine Wunde mit einer Pflanze behandelt. Der Orang-Utan namens Rakus hatte eine Wunde im Gesicht unterhalb des rechten Auges. Diese wurde ihm offenbar während eines Kampfes zugefügt.

Affe stellt eigene Arznei her

Nach dem Schlagabtausch stellte der Affe aus Speichel und Pflanzen eine eigene Arznei her und trug sie sorgfältig auf die verletzte Haut auf. »Dies ist das erste Mal, dass wir ein wild lebendes Tier dabei beobachtet haben, wie es eine sehr wirksame Heilpflanze direkt auf eine Wunde aufträgt«, sagt Isabelle Laumer, Biologin am Max-Planck-Institut für Tierverhalten und Mitautorin, der nun veröffentlichten Studie im Fachjournal Scientific Reports.

Frühere Forschungen haben bereits dokumentiert, dass mehrere Menschenaffenarten in Wäldern nach Medikamenten suchen, um sich selbst zu heilen. Aber die Wissenschaftler*innen hatten bisher noch kein Tier gesehen, das sich selbst auf diese Weise behandelt hat.

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Wunde war binnen eines Monats vollständig verheilt

Die, zur Heilung verwendete Liane namens Fibraurea tinctoria, ist für ihre schmerzstillende und fiebersenkende Wirkung bekannt und wird in der traditionellen Medizin zur Behandlung verschiedener Krankheiten wie Malaria eingesetzt. Die Forscher*innen spekulieren außerdem, ob der Affe neben der Kräuterkunde noch weiteres medizinisches Wissen besitzt.

Denn die Forschenden haben den Affen über die nächsten Tage weiter beobachtet und machten dabei eine ungewöhnliche Entdeckung. „Interessanterweise ruhte Rakus auch mehr als sonst, als er verletzt war. Schlaf wirkt sich positiv auf die Wundheilung aus, da die Wachstumshormonausschüttung, die Proteinsynthese und die Zellteilung im Schlaf gesteigert werden“, so Laumer. Rakus’ Wunde zeigte demnach keine Anzeichen einer Infektion und war binnen eines Monats vollständig verheilt.

Quelle: „Active self-treatment of a facial wound with a biologically active plant by a male Sumatran orangutan“ (Scientific Reports, 2024)

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